Die Jobsiade.

Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen
von
Dr. Carl Arnold Kortum.

Mit einer literarhistorischen Einleitung
von
Friedrich Schnettler.

Mit 70 Illustrationen.

Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.

Der Jobsiadendichter Dr. Carl Arnold Kortum.

Fast ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem die Jobsiade, natürlichnur der erste, abgerundete und abgeschlossene Theil, 1784 imDruck erschien; in vielen Tausenden von Exemplaren ist das „komischeHeldengedicht“ verbreitet, mehr als drei Generationen haben sich andem grobkörnigen Humor erfreut, aber über die Lebensumstände desDichters ist im großen Publikum wie in seiner zweiten Vaterstadt, derKreisstadt Bochum in Westfalen, wenig bekannt. Man wird demFremden dort auf Befragen das Wohnhaus des Dichters zeigen,welches durch eine im Jahre 1876 daran angebrachte Marmortafelkenntlich gemacht ist, und vielleicht auf das Grab desselben auf demalten Theile des sogenannten „Todtenkirchhofes“. Damit hat aber dieKunde über „Leben, Meinungen und Thaten“ des Jobsiadendichtersauch in seiner Vaterstadt so ziemlich ein Ende.

Das Wohnhaus des Dichters, auf der oberen Marktstraße gelegen,trägt die Nr. 23 und charakterisirt sich durch seine Bauart und Giebelverzierungenals aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammend.Die Inschrift der Marmortafel lautet:

In diesem Hause — lebte, dichtete und starb — der Königl.Hofrath — und doct. medicinae — Carl Arnold Kortum, — geborenden 5. Juli 1745, — gestorben den 15. August 1824.

Angebracht ist diese Tafel von den Berufsgenossen des Dichters,wohl zu verstehen von den Berufsgenossen in dessen ärztlichem Berufe,nicht in der Dichtkunst, und verdienen die Bochumer Aerztefür diesen Act der Pietät alle Anerkennung.

Der Name des Dichters wird meistens falsch angegeben; derselbeheißt nicht Kortüm, sondern Kortum. Nicht allein die Encyclopädien,sondern auch wissenschaftliche Werke haben die erste, falsche Formdes Namens. Der Irrthum beruht auf einer Verwechselung mit demNamen des bekannten Historikers Joh. Friedr. Kortüm, geborenden 24. Februar 1788 zu Eichhorst in Mecklenburg-Strelitz, gestorbenam 4. Juni 1858 als Professor der Geschichte an der UniversitätHeidelberg.

Carl Arnold Kortum wurde am 5. Juli 1745 von protestantischenEltern zu Mühlheim an der Ruhr geboren, wo sein Vatereine kleine Apotheke besaß. Dieser starb schon früh, aber die Mutter,eine geborene Maria Helene Severin aus Bochum, setzte das Geschäftdes Verstorbenen fort, und da sie obendrein ein ziemliches Vermögenmit in die Ehe gebracht hatte, so konnte sie ihrem Sohne einesorgfältige Erziehung geben. Nach Kortums eigener Aussage, welchein der Form seines Namens einen weiteren Anhalt findet, stammteseine Familie aus Friesland; dieselbe habe dort einst ein ausgedehntesund reiches Grundvermögen besessen, sei aber durch widrige Umständeum Ansehen und Besitz gekommen, in Folge dessen verzogen und zumStande und Broderwerb des kleinen Bürgers herabgedrückt worden.

Die Liebe und Sorgfalt, mit welcher die Mutter der Erziehungdes kleinen Carl Arnold oblag, fand in den ersten Jahren weni

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