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Menschliches, Allzumenschliches
Ein Buch für freie Geister
Friedrich Nietzsche
Inhalt
An Stelle einer Vorrede
Von den ersten und letzten Dingen
Zur Geschichte der moralischen Empfindungen
Das religiöse Leben
Aus der Seele der Künstler und Schriftsteller
Anzeichen höherer und niederer Cultur
Der Mensch im Verkehr
Weib und Kind
Ein Blick auf den Staat
Der Mensch mit sich allein
Ein Nachspiel
Menschliches, Allzumenschliches.
Ein Buch für freie Geister
Erster Band
An Stelle einer Vorrede.
- eine Zeit lang erwog ich die verschiedenen Beschäftigungen, denensich die Menschen in diesem Leben überlassen und machte den Versuch,die beste von ihnen auszuwählen. Aber es thut nicht noth, hier zuerzählen, auf was für Gedanken ich dabei kam: genug, dass für meinenTheil mir Nichts besser erschien, als wenn ich streng bei meinemVorhaben verbliebe, das heisst: wenn ich die ganze Frist des Lebensdarauf verwendete, meine Vernunft auszubilden und den Spuren derWahrheit in der Art und Weise, welche ich mir vorgesetzt hatte,nachzugehen. Denn die Früchte, welche ich auf diesem Wege schongekostet hatte, waren der Art, dass nach meinem Urtheile in diesemLeben nichts Angenehmeres, nichts Unschuldigeres gefunden werden kann;zudem liess mich jeder Tag, seit ich jene Art der Betrachtung zuHülfe nahm, etwas Neues entdecken, das immer von einigem Gewichte unddurchaus nicht allgemein bekannt war. Da wurde endlich meine Seele sovoll von Freudigkeit, dass alle übrigen Dinge ihr Nichts mehr anthunkonnten.
Aus dem Lateinischen des Cartesius.
Vorrede.
1.
Es ist mir oft genug und immer mit grossem Befremden ausgedrücktworden, dass es etwas Gemeinsames und Auszeichnendes an allen meinenSchriften gäbe, von der "Geburt der Tragödie" an bis zum letzthinveröffentlichten "Vorspiel einer Philosophie der Zukunft": sieenthielten allesammt, hat man mir gesagt, Schlingen und Netzefür unvorsichtige Vögel und beinahe eine beständige unvermerkteAufforderung zur Umkehrung gewohnter Werthschätzungen und geschätzterGewohnheiten. Wie? Alles nur - menschlich-allzumenschlich? Mit diesemSeufzer komme man aus meinen Schriften heraus, nicht ohne eine ArtScheu und Misstrauen selbst gegen die Moral, ja nicht übel versuchtund ermuthigt, einmal den Fürsprecher der schlimmsten Dinge zu machen:wie als ob sie vielleicht nur die bestverleumdeten seien? Man hatmeine Schriften eine Schule des Verdachts genannt, noch mehr derVerachtung, glücklicherweise auch des Muthes, ja der Verwegenheit.In der That, ich selbst glaube nicht, dass jemals jemand mit einemgleich tiefen Verdachte in die Welt gesehn hat, und nicht nur alsgelegentlicher Anwalt des Teufels, sondern ebenso sehr, theologischzu reden, als Feind und Vorforderer Gottes; und wer etwas von denFolgen erräth, die in jedem tiefen Verdachte liegen, etwas von denFrösten und Aengsten der Vereinsamung, zu denen jede unbedingteVerschiedenheit des Blicks den mit ihr Behafteten verurtheilt, wirdauch verstehn, wie oft ich zur Erholung von mir, gleichsam zumzeitweiligen Selbstvergessen, irgendwo unterzutreten suchte - inirgend einer Verehrung oder Feindschaft oder Wissenschaftlichkeit oderLeichtfertigkei