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Die Witwe von Pisa

Paul Heyse

(1865)

Überhaupt scheint mir, daß Sie von den italienischen Frauen eine zugünstige Meinung haben.

Wieso? fragte ich.

Ich habe einige Ihrer Novellen gelesen. Nun, daß diese Arrabbiatasund Anninas doch auch im Süden etwas dünner gesäet sind, als dergeneigte Leser sich einbildet, werden Sie selber zugeben. Beiläufig,und ganz unter uns: sind es Geschöpfe Ihrer Phantasie, oder Studiennach dem Leben?

Frei nach dem lieben Herrgott, der schwerlich finden wird, daß seine
Originale durch meine Bearbeitung gewonnen haben.

Mag sein! Aber Sie leugnen doch nicht, daß Sie sich absichtlich immerdie besten Exemplare ausgesucht haben? Da dürfen Sie sich denn nichtbeklagen, wenn man Sie zu den Idealisten rechnet.

Beklagen? Wie sollte ich wohl! Ich finde mich da in so guterGesellschaft, daß ich froh bin, wenn ich darin geduldet werde.Ebenfalls im tiefsten Vertrauen, Verehrtester: Ich habe nie eine Figurzeichnen können, die nicht irgend etwas Liebenswürdiges gehabt hätte,vollends nie einen weiblichen Charakter, in den ich nicht bis zu einemgewissen Grade verliebt gewesen wäre. Was mir schon im Lebengleichgültig war, oder gar widerwärtig, warum sollte ich mich in derPoesie damit befassen? Es gibt genug andere, die es vorziehn, dasHäßliche zu malen. Sehe jeder, wie er's treibe!

Schön! Und vielleicht sogar richtig! Ich verstehe diese Dinge nicht.
Aber ich habe immer sagen hören, die Poesie solle das Leben
widerspiegeln. Nun denn, das Leben hat doch auch seine Kehrseite.
Und zur Wahrheit gehört Licht und Schatten. Glauben Sie nicht, daß
Sie es der Wahrheit schuldig sind, auch von den minder liebenswürdigen
Figuren, die zum Beispiel in Italien herumlaufen, Notiz zu nehmen?

Sobald ich ein Buch über den italienischen Volkscharakterankündige—gewiß! Aber ich gebe Geschichten. Wenn ich lieberGcschichten schreibe, die mir selbst gefallen, als Schattenrisse vonder Kehrseite der Natur, wen betrüge ich, als solche, die ihrInteresse dabei finden, sich betrügen zu lassen? Aber Sie haben michauf die vielberufene Kehrseite neugierig gemacht. Was verstehen Siedarunter?

Hin! Das ist leicht gesagt. Wenn ich nicht sehr irre, ist es die
unverfälschte Naturkraft, die Sie an diesen Weibern anzieht, der
Mangel der zahmen und lahmen Pensionats- und Institutserziehung, das
Wildwüchsige mit einem Wort.

Und die edle Rasse, nicht zu vergessen; eben jene reiche Anlage, dieman viel getroster sich selbst überlassen darf als eine von Hause ausdürftigere Natur—schaltete ich ein.

Einverstanden! Und ich gebe Ihnen auch das noch zu, daß dieLeidenschaften unter diesem Himmel sich in einem gewissen großen Stil,in einer natürlichen Erhabenheit austoben, selbst dieallerverrücktesten; daß sogar die Hauptleidenschaft desGeschlechts—diesseits wie Jenseits der Berge—bei aller Komik hieretwas Grandioses behält.

Eine, Hauptleidenschaft?

Ich meine die Sucht, einen Mann zu bekommen. Sie lachen? Ich kannIhnen sagen, daß mir die Sache außer Spaß ist, seit ich Ge

...

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